• Fahrtkosten zur Hochschule sind in voller Höhe als Werbungskosten absetzbar

    by  • 28. März 2012 • Rechtsprechung

    Das Problem:

    Bisher waren Fahrten zwischen Wohnung und vollzeitig besuchten Bildungseinrichtungen (z.B. im Rahmen von Berufsförderungsmaßnahmen des BFD der Bundeswehr oder eines Hochschulstudiums) nur beschränkt in Höhe der Entfernungspauschale als Werbungskosten von den Finanzämtern anerkannt worden. Der Bundesfinanzhof (BFH) hatte diese Praxis gebilligt. Mit zwei Entscheidungen ist der BFH nun von dieser Linie abgewichen.

    Die Sachverhalte:

    1.

    Zwischen einem Zeitsoldaten und dem Finanzamt war streitig, ob die Reisekosten zu einer Berufsförderungsmaßnahme als Werbungskosten zu berücksichtigen waren. Der Kläger hatte Fahrtkosten in Höhe von 6.452 € gelted gemacht. Das Finanzamt bewilligte davon nur 3.226 € und begründete die Berechnung nach  § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG damit, dass es sich nicht um eine vorübergehende Auswärtstätigkeit gehandelt habe Der Kläger sei wegen der Beendigung seiner Dienstzeit nicht mehr an seinen früheren Arbeitsplatz zurückgekehrt. Arbeitsstätte sei also die Fortbildungseinrichtung geworden.

    2.

    Die Parteien stritten darüber, ob Fahrtkosten zur Hochschule mit der Pendlerpauschale oder nach Dienstreisegrundsätzen als vorab entstandene Werbungskosten zu berücksichtigen seien. Die Klägerin hatte ein Zweitstudium aufgenommen. Mit der Einkommensteuererklärungmachte machte sie tatsächliche Fahrtkosten in Höhe von 3.915 € geltend. Das Finanzamt bewilligte lediglich die Kosten nach der Entfernungspauschale, was einen Betrag von 1.957 € ergeben hätte.

    Die Entscheidungen:

    Der BFH behandelt in beiden Entscheidungen die geltend gemachten Fahrtkosten als Kosten einer Dienstreise und erkennt sie in voller Höhe an. Der BFH gibt damit seine alte Ansicht auf, nach der   auch Bildungseinrichtungen als Arbeitsstätte angesehen wurden. Das hatte zur Folge, dass Fahrtkosten nie in tatsächlicher Höhe, sondern nur mit der Pauschale von 0,30 €/km abzugsfähig waren. Der BFH geht nunmehr davon aus, dass der Besuch von Bildungseinrichtungen an sich nicht auf Dauer angelegt, sondern vorübergehender Natur ist. Die neue Rechtsprechung des BFH versteht unter einer regelmäßigen Arbeitsstätte nur eine ortsfeste dauerhafte betriebliche Einrichtung des Arbeitgebers- Dieser Einrichtung muss der Arbeitnehmer nachhaltig im Sinne fortdauernden Aufsuchens zugeordnet sein.

    Wichtig für die Einkommensteuererklärung:

    Aufwendungen für Dienstreisen können nur dann steuerlich nur berücksichtigt werden, wenn der Fahrtaufwand tatsächlich angefallen ist. Für die weiterhin zulässige Anwendung der Entfernungspauschale ist das unerheblich.

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    Boris Maskow

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